Pfarrei St. Johannis / Weißenbrunn v. W.

St. Johannis Rödental

 

St. Johannis ist die jüngste der vier evangelischen Kirchengemeinden Rödentals. Ursprünglich gehörte Oeslau zur Muttergemeinde St. Marien Einberg. Ab 1911 fanden in St. Johannis regelmäßige Gottesdienste statt. Trotz enger Verbundenheit mit Einberg wurden in dieser Zeit Oeslauer Konfirmandinnen und Konfirmanden traditionell in der St. Johanniskirche konfirmiert – ein frühes Zeichen eigener Identität. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit Pfarrer Thiemann der gezielte Aufbau eines eigenständigen Gemeindelebens. 1951 wurde St. Johannis durch die Initiative von Pfarrer Fritz Anke offiziell selbstständig,

 

1953 erwarb die Kirchengemeinde die Kirche am Bahnhof vom Bayerischen Staat - aus dem Domänengut  - für 768,00 DM und  übernahm damit die volle zukünftige Baulast hierfür. Eine umfassende Renovierung und Erweiterung in den Jahren 1953/54 sowie in den 70er Jahren prägte das heutige Erscheinungsbild und machten Neubaupläne einer Kirche für die Kirchengemeinde St. Johannis - des damaligen 1. Bürgermeisters von Rödental, Ferdinand Fischer - im Neubaugebiet Beetäcker (beim Gemeindezentrum St. Johannis) überflüssig.

 

In den 1980er- und 1990er-Jahren erlebte die Kirchengemeinde eine neue Aufbruchsphase im evangelischen Alltag: neue Gottesdienstformen, Gemeindereisen, zahlreiche Veranstaltungen sowie die Trägerschaft mehrerer Kindergärten stärkten das soziale und geistliche Profil. Mit dem Neno-Chor brachte Partnerschaftspfarrer Green Mwakibete ab Ende der 1990er-Jahre über viele Jahre einen „Hauch von Afrika“ und große musikalische Strahlkraft in die Gemeinde.

Die 2010er-Jahre waren von Vakanzen, strukturellen Herausforderungen und wichtigen Entscheidungen geprägt – etwa dem Verkauf des alten Pfarrhauses und neuen Wohnlösungen für Pfarrstellen. Gleichzeitig engagierte sich die Gemeinde stark in der Flüchtlingshilfe und öffnete ihre Kirche saisonal für Besucherinnen und Besucher. 2017 feierte St. Johannis sein 500-jähriges Jubiläum mit einem Kirchenführer, einem restaurierten historischen Kirchenfenster und einem barrierefreien Zugang.

Die 2020er-Jahre brachten mit der Corona-Pandemie große Belastungen, aber auch einen Neubeginn: 2022 wurde die Pfarrstelle – mit Pfarrerin Esther Goldammer (früher Böhnlein) wieder besetzt. Mit der umfassenden Kirchensanierung, einschließlich Heizung, Technik und Orgel, erstrahlt St. Johannis heute erneut – als lebendige Gemeinde mit Geschichte und Zukunft. Und diese Zukunft brachte auch die fruchtvolle Gemeinschaft mit Weißenbrunn vorm Wald, die sich dann in der gemeinsamen Pfarreibildung dokumentierte.

 

Kirchenchronik Weißenbrunn v. Wald.

Aus dem 13. Jahrhundert stammen die ersten Spuren der Pfarrei Weißenbrunn v. W. Die erste Kirche, vermutlich eine Burgkapelle, wird auf 1264 datiert. Es war ursprünglich eine Eigenkirche der Grafen von Wildberg, die ab 1285 unter dem Patronat des Klosters Sonnefeld stand. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das ganze Dorf 1634 von Truppen des Generals Guillaume de Lamboy niedergebrannt. Die Kirche, auf einem kleinen Hügel stehend, wurde 1752 bis 1754 neu aufgebaut. 1920 wurde die politische Gemeinde Weißenbrunn v. W., zuvor zum Freistaat Coburg gehörend, bayerisch. 

Die evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitskirche ist das größte Gebäude in Weißenbrunn v. W.. Sie ist ein schlichter Saalbau mit Kanzelaltar und wurde 1752 bis 1754 nach Plänen des Coburger Hofmaurermeisters Brückner in Anlehnung an den Markgrafenstil errichtet, nachdem das alte Kirchenhaus zu baufällig geworden war. Der Hallenbau hat zwölf große Fenster und ist mit zwei Emporen ausgestattet. Etwa 600 Personen haben in dem Gotteshaus Platz. Eine im Rokokostil verzierte Kanzel, die 1756 gestiftet wurde, und die Figuren der Apostel Petrus und Paulus beherrschen die Altarwand. Der Epistelstuhl, der zugleich als Taufstein dient, ist mit den Symbolen des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung verziert. Auf der der Kanzel gegenüberliegenden Seite hat die Orgel auf der ersten Empore ihren Platz gefunden. Sie wurde 1912 von der Brauereibesitzerin Alex gestiftet. Der in seinem Kern spätmittelalterliche Turm hat seit 1866 einen achteckigen Aufsatz mit Spitzhelm.

40 evangelische Pfarrer (bis 2024), 3 Diakone sechs Vikare und fünf Kriegsvertreter haben seit 1528 ihren Dienst in Weißenbrunn v. W. versehen. 

Zum ursprünglichen Kirchensprengel von Weißenbrunn v. Wald gehörten die Ortschaften Weißenbrunn, Fornbach, Fischbach, Schönstädt, Mittelberg und Waltersdorf sowie die thüringischen Nachbardörfer: Roth auf der Höh, Almerswind, Emstadt und Truckendorf. Nach 1945 trennte jedoch die innerdeutsche Grenze das Dorf von seinen vier thüringischen Nachbardörfern. 

Choradstanten-Chöre wurden erstmalig mit der Reformation geboren. Die vorreformatorische Kirchenmusik, speziell der Kirchengesang, hatte da ein beachtliches Niveau erreicht. In den Oberstimmen (Sopran und Alt) wurde er von den Schülern und in den Männerstimmen (Tenor und Bass) von den niederen Geistlichen, vornehmlich Klosterinsassen ausgeübt. Hier trat mit der Reformation eine plötzliche Wende ein. Denn über Nacht gab es keine Klöster und niederer Geistlichen mehr, somit auch keine Männerstimmen beim Kirchengesang. Diese Lücke wurde aber schnell geschlossen. Sangeskundige, männliche Gemeindemitglieder traten zu den Chören hinzu und übernahmen die Männerstimmen. Eben das ist die Bedeutung des lateinischen Wortes „Adstanten“: die sich Hinzustellenden. Auch in Weißenbrunn v. Wald bildete sich die Gesangsgruppe der Choradstanten, dessen Gesangstradition bis heute weiterbesteht. Auf eine 338-jährige Geschichte können die Choradstanten aus Weißenbrunn vorm Wald inzwischen zurückblicken.

Seit Mitte der 80er Jahre erweitert auch der Posaunenchor Weißenbrunn v. Wald die heimische Kirchenmusik.

Die Kirchengemeinde Weißenbrunn v. W. verfügt über ein eigenes Gemeindehaus, das 2018/2019 saniert, umgebaut und neu eingeweiht wurde.